Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Sonderunvermögen

Wuppertal · Neulich ist mir etwas wirklich überaus Paradoxes aufgefallen: Das Wort „Nulpe“ steht kurz vor dem Aussterben, obwohl es immer mehr davon gibt. Denn „Nulpe“ bedeutet bekanntlich so viel wie „Nichtskönner“ oder „Nichtskönnerin“. Und aus denen bestand ja zwischenzeitlich sogar ein großer Teil der Bundesregierung.

Ein besonderes Vermögen ...

Foto: Gerd Altmann

Trotzdem habe ich „Nulpe“ schon ewig nicht mehr gehört, was bedauerlich ist, weil sich „Nulpe“ schon alleine lautlich total nach Unvermögen anhört und mir deshalb als Schimpfwort noch geeigneter erscheint als die ganz ähnlich gelagerten „Stümper“, „Pfuscher“ oder „Dilettant“, die sich aus unerfindlichen Gründen besser gehalten haben.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Bezeichnung „Nulpe“ ist offensichtlich geschlechtsübergreifend und damit höchst modern, denn von der Existens einer „Nulpine“ oder „Nulpin“ ist mir nichts bekannt, obwohl wir uns ja sicher einig sind, dass es auch weibliche Exemplare gibt. Komplizierte Gender-Anpassungen wie „Nulpende“ kann man sich also sparen.

Möglicherweise hat die Verdrängung der „Nulpe“ mit dem Aufkommen des neuen Begriffs „Minderleister“ zu tun, der selbst komplett unfähigen Nulpen im Zuge der allgemeinen Weicheierigkeit noch ein bisschen Restwürde lässt.

Generell ist die Tendenz aber so, dass mehr Schimpfwörter erfunden werden als umgekehrt aussterben. Der „Narr“ liegt beispielsweise längst auf dem Sprachfriedhof, wurde aber durch „Vollpfosten“, „Minusbrötchen“ oder „Honk“ ersetzt. Wenn weiter so viele Leute auf dem Ölberg die Rettungswege zuparken, kommt wahrscheinlich in Kürze auch noch der „Viertelpfosten“ dazu.

Erfunden werden aber nicht nur Schimpfwörter, sondern auch andere Begriffe. Meine Lieblingsschöpfung ist aktuell das Wort „Sondervermögen“. Bis vor kurzem hätte ich dahinter beispielsweise die nette kleine Rücklage eines Milliardärs vermutet, der einfach mal ein paar Milliönchen auf Seite gelegt hat, um sich davon gelegentlich eine neue Motoryacht oder eine Malediveninsel zu kaufen. Inzwischen weiß ich, dass es beim Sondervermögen tatsächlich um sehr viel Geld geht, da allerdings ein Minus davor steht und es sich in soweit eigentlich um Sonderschulden handelt.

Dieser Begriff wäre politisch allerdings ähnlich schwer vermittelbar wie Olaf Scholz, wenn der nach dem Abtritt als Kanzler eine Anstellung als Kabarettist suchen würde. Also erfindet man lieber ein Wort, das sich nach dem Gegenteil anhört, aber das Gleiche meint. So etwas ist entweder Sonderunvermögen oder genial ...

Nach dem Vorbild des Sondervermögens droht dem WSV jetzt der Sonderaufstieg in die Oberliga und Wuppertal die Sondereröffnung zahlreicher Geschäfte in der von zahlreichen Sonderattraktionen geprägten Elberfelder Sonderinnenstadt.

Ich habe übrigens diese Woche mal ausprobiert, ob das mit dem Sondervermögen nur in der Welt der Politik, oder auch im richtigen Leben funktioniert. Hat aber nicht geklappt: Die Nulpen bei meiner Bank haben sich strikt geweigert, mir für mein hohes Sondervermögen Zinsen zu zahlen ...

Bis die Tage!